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Trauer und der Umgang damit machen hilflos. Weil man meistens keine Erfahrung damit hat. Und weil man es nicht theoretisch üben kann.
Und Hilflosigkeit mögen die allermeisten Menschen nicht. Deshalb mögen sie auch keine Trauer. Und deshalb machen sie meistens auch einen Bogen um Trauernde. Hier kommen ein paar Anregungen, damit das anders wird.

Normalerweise gibt es für alle Situationen des Alltags irgendwelche Lösungen. Oder Experten, die diese Lösung anbieten. Computer kaputt? Frag einen Freund oder die Gelben Seiten. Rohr verstopft? Der freundliche Handwerker aus der Nachbarschaft hilft. Sonstige Fragen oder Herausforderungen? Google und Co wissen auf fast alles eine mehr oder weniger sinnvolle Antwort.

Nur bei der Trauer nicht. Hier gibt es plötzlich so viele Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Nicht nur der oder die Trauernde sind wie gelähmt. Auch das Umfeld fühlt sich ohnmächtig. Was ist jetzt richtig und was falsch? Wohin gehen die nächsten Schritte und woher soll die Kraft kommen, sie zu gehen? Wird das irgendwann wieder besser? Kann man ihm irgendwie helfen? Ich kann gar nicht sehen, wie sehr sie leidet. Wie kann ich dazu beitragen, dass das aufhört?

Dass schlaue Sprüche nicht helfen, merken zumindest die Schlauen. Die Zeit heilt eben keine Wunden. Und das Leben geht zwar weiter, der Tod aber auch. Und dass man noch jung ist, macht den Verstorbenen auch nicht wieder lebendig.

Sehr wertvoll ist auf jeden Fall schon mal, wenn jemand überhaupt helfen will. Leider erleben viele Trauernde, dass sich die bisherigen Freunde nach einem Trauerfall oft sehr schnell zurück ziehen und den Kontakt abbrechen. Da kommen dann nach einem Vierteljahr Sprüche wie „Bist du immer noch traurig? Jetzt ist doch mal wieder gut. Du musst auch mal wieder nach vorne schauen!“ Und da das nicht so einfach geht und diese schlauen Ratgeber feststellen, dass ihre „Lebenshilfen“ nicht umgesetzt werden, ziehen sie sich eben beleidigt oder verunsichert zurück.

Für alle, die sich nicht zurück ziehen wollen, gibt es ein paar Hilfen und Denkanstöße:

  1. Mach die Ohnmacht zu deinem Freund.Du musst dich mit deiner eigenen Hilflosigkeit auseinandersetzen. Nein, hier geht es nicht darum, Lösungen anzubieten, sondern gemeinsam hilflos zu sein.
  2. Du kannst zunächst nämlich mal gar nichts TUN, sondern nur da sein. Und das ist immer die größte Hilfe. Für alle Männer, die bei der Geburt eines ihrer Kinder dabei waren: So ähnlich ist es im Umgang mit Trauernden auch. Du kannst nichts tun, außer da sein, die Hand halten, Mut machen, dabei sein. Du kommst dir relativ schnell ziemlich doof und überflüssig vor, aber idealerweise sagt dir deine Partnerin hinterher, dass sie sehr dankbar war, dass du dabei warst (vorausgesetzt, du bist nicht in Ohnmacht gefallen…).
  3. Es geht nicht um dich, sondern um denjenigen, der trauert. Ob meine Unterstützung und Hilfsangebote gut sind, entscheidet er bzw. sie, nicht ich. Und das geschieht meistens erst im Rückblick.
  4. Hör zu. Und hör noch mal zu. Und dann noch mal. Ja, du wirst dir manches oft anhören müssen. Z.B. die Frage nach dem Warum? Da der andere weiß, dass du auch keine Antwort hast, brauchst du auch nichts zu sagen. Außer, dass du es auch nicht weißt.
  5. Biete deine Hilfe an. Das kann die Schulter zum Ausweinen inklusive Flatrate Papiertaschentücher sein. Oder ein warmes Essen einmal die Woche für die nächsten 6 Monate. Alternativ dazu bring fertiges Essen tiefgekühlt vorbei. Backe einen Kuchen. Hilf bei der Steuer. Mäh den Rasen, mach die Kehrwoche, schneide die Hecke. Aber tu dies alles nicht, damit der andere in deiner Schuld steht und es dir irgendwann zurückzahlen muss.
  6. Gib Geld. Tod und Sterben ist sehr teuer. Wenn dir das schwer fällt, dann unterstütze anonym. Steck einen (größeren) Geldschein in einen Umschlag ohne Absender und werf ihn in den Briefkasten.
  7. Sei da.
  8. Hör zu.
  9. Überfordere dich nicht. Du musst natürlich auch auf deine eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten achten. Es hat keiner was davon, wenn du dich völlig verausgabst und dann zusammenbrichst. Deshalb komm einmal in der Woche vorbei und bringe einen Kuchen. Oder lade zu einem Spaziergang ein. Aber das dafür nicht nur drei Wochen lang, sondern 15 Monate. Nach dem ersten Trauerjahr wird es für manche Trauernde erst richtig schlimm. Da schlägt die Trauer gnadenlos zu und dann ist keiner mehr da, an dessen Schulter sie sich anlehnen können und der das Elend mit aushält. Deshalb stell dich drauf ein, dass es eine lange Zeit dauert und teil deine eigenen Kräfte entsprechend ein.

Dieser Beitrag erscheint im Zusammenhang mit der Aktion „Alle reden über Trauer“ am 27.02.17. Hier erscheinen noch viele andere Artikel rund um das Thema Trauer.


http://in-lauter-trauer.de/alle-reden-ueber-trauer-2017

 

s-bitzer

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